Spleen

Figurentheater Wilde & Vogel

Wen gibt es unter uns, der nicht, in seinen ehrgeizigen Stunden, von dem Wunder einer poetischen Prosa geträumt hat, die musikalisch wäre ohne Rhythmus und ohne Reim, biegsam und eigenwillig genug, um sich den lyrischen Regungen der Seele, den Wellenbewegungen der Träumerei, den Erschütterungen des Bewusstseins anzupassen?

Es ist hauptsächlich das Leben in den Riesenstädten, das Durcheinander ihrer zahllosen Beziehungen, das dieses quälende Ideal entstehen lässt.

Baudelaire: Vorrede zu „Der Spleen von Paris“, 1869

 

Basis der Inszenierung ist Charles Baudelaires Spätwerk, seine Gedichte in Prosa „Der Spleen von Paris“. Dichte Miniaturen, oft zu wenigen Zeilen komprimierte Szenen oder scheinbar flüchtig hingeworfene Gedankengänge beschwören die Epoche des „Untergangs der romantischen Sonne“. In ihnen widerspiegeln sich Splitter gescheiterter Utopien angesichts politischer Restauration im vorvorigen Jahrhundert: ein erstaunlich zeitgemäßes Panoptikum.

Die manchmal düster-bestialische, manchmal heiter-melancholische Atmosphäre des Baudelaireschen Kosmos spielt mit dem Menschen an der Schwelle zur Moderne: zwischen apathischer Lebensgier und erotisierter Todessehnsucht, zwischen Sehnsucht nach Unendlichkeit und brutaler Belanglosigkeit, im Tragischen meist lapidar, im Komischen immer subtil.

Die offene Spielweise dieser Inszenierung – die der Spieler mit Figuren und Musikinstrumenten auf der Bühne, sowie mit dem Textmaterial, eingesprochen von Kindern und Jugendlichen – zielt auf eine kaleidoskopische Betrachtung des Zuschauers. Eine eigene Magie entsteht in der Imagination zwischen Akteuren, Material und Publikum, eine Folge von Bildern, die den Blick Baudelaires kontrapunktiert und sucht, ihn für eine Wahrnehmung von heute zu öffnen.

Dauer

70 Minuten

Alter des Publikums

für Erwachsene

Sprache

Deutsch, Englisch oder Französisch

Maximale Zuschaueranzahl

200

Premiere

2006

Produktion

Figurentheater Wilde & Vogel in Koproduktion mit dem FITZ! Zentrum für Figurentheater Stuttgart und dem Lindenfels Westflügel Leipzig.

Spiel und Ausstattung

Michael Vogel

Live-Musik

Charlotte Wilde

Stimmen

Jördis Barth, Julka Finger, Luana Goller, Lotta Hillert, Merlin Lando Dweezil Ben Müller, Luis Neuschäfer, Vincent Sudau

Regie

Hendrik Mannes

Aufnahmeleitung

Patrick Kukwa

Mit Unterstützung von

Finanziell gefördert durch das Kulturamt der Stadt Stuttgart, Kulturamt der Stadt Leipzig, Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg, Stiftung der Württembergischen Hypothekenbank für Kunst und Wissenschaft.

Personen auf Tour (inkl. Technik)

2

Technisches Datenblatt

Das Datenblatt finden Sie hier.

Videolink

auf Nachfrage

Web

www.figurentheater-wildevogel.de/stuecke/item/spleen/15

Stimmen zum Stück

Diese szenischen Lieder, die ein vom Text angestoßenes, heterogenes Ganzes ergeben, flehen leise, zärtlich. So zärtlich, wie Michael Vogel mit seinen Figuren umgeht. Bizarre Tiere wie die Wasserspeier von Notre Dame, Komiker, Künstler und Fürsten, verhungernde Hofnarren, die von Schönheit träumen. Und im Jubel des Publikums erwachend sich die Augen reiben.
Süddeutsche Zeitung, 15. März 2007, Egbert Tholl


Ausgezeichnet mit dem Preis für eine herausragende künstlerische Leistung beim Stuttgarter Theaterpreis 2007. Grand Prix und Young Critics Award beim International Festival of Puppetry Art, Bielsko-Biała (PL) 2008. Grand Prix und zwei Sonderpreise beim International Festival of Puppet Theatre Warschau (PL) 2009 Preis für beste Musik beim Festival “Spotkanie” am Teatr Baj Pomorski Torun (PL) 2009